Roter Teppich für Bildung

Wo Grund-, Aus- und Weiterbildung, KNX und intelligente Gebäudetechnik zusammenkommen, darf es auch schön und komfortabel sein.

Das ZESY, Zentrum für Systeme in Rothenburg, beherbergt mehrere Unternehmen der Frey+Cie Gruppe. Aus einem ehemaligen Materiallager im Erdgeschoss wurde im Januar 2025 auf 320 m2 ein «Lager für Lernen und Wissen»: ein hochwertiges, didaktisch durchdachtes Ausbildungszentrum für Grund- und Weiterbildung sowie praktische Anwendung, ein lichtdurchfluteter Ort. Lernende und Mitarbeitende sollen nicht länger irgendwo im Keller installieren und lernen müssen. Der Anstoss, für die Bildung im Unternehmen eine offene, helle und attraktive Lernumgebung zu schaffen, kam von Andreas Brennwald, dem CEO der Frey+Cie Holding AG. «Es muss nicht nur der Chef einen Teppich haben», sagt er. «Die jungen Menschen, unsere Mitarbeitenden, die dort arbeiten und lernen und Installationsarten und Komponenten verstehen müssen, sollen es auch schön haben. So lernt der Mensch motivierter und besser.»

Lernen mit allen Sinnen

Bei Frey+Cie finden Theorie und Praxis im «Roter Bernstein» heute unmittelbar nebeneinander statt. Der Theoriebereich ist in Rottönen gehalten, der Werkraum in Grüntönen – bewusst, weil Theorie und Praxis unterschiedliche Hirnregionen aktivieren. Stehen und Sitzen wechseln sich ab, die Akustik ist ausgezeichnet. Andreas Brennwald spricht vom limbischen Lernen: Emotionen, positive Erfahrungen und eigene Entscheidungen sorgen dafür, dass das Gelernte effizient im Langzeitgedächtnis abgespeichert wird. «Ich arbeite mit den Jungen stark im limbischen System, weil es nachhaltiger ist.»

Ausbildung ist für Andreas Brennwald ein zentraler Baustein seiner Unternehmen. Seit über zehn Jahren bietet die Frey+Cie Gruppe ihren Lernenden dreimal pro Woche Förderkurse in der Theorie an. Wer weiter weg ist, kann per 4K-Videokonferenz live dabei sein. Möglich macht das eine moderne AV-Technik, die zudem über eine Schnittstelle mit der KNX-Gebäudesteuerung verbunden ist.

KNX von Anfang an mit dabei

Im «Roter Bernstein» ist KNX keine nachträgliche Ergänzung, sondern war von Anfang an Teil der intelligenten Gebäudetechnik des ZESY. Andreas Brennwald kennt das standardisierte System aus langjähriger Erfahrung, auch aus privaten Projekten. Seine Haltung dazu ist klar: «Wir sind überzeugt, dass KNX die richtige Technologie für ein modernes, zeitgemässes, digitalisiertes Gebäude ist.» So sind im «Roter Bernstein» Licht, Beschattung und Medientechnik über KNX vernetzt. Eine Crestron-KNX-Schnittstelle verbindet die Präsentations- und Videokonferenztechnik mit der Gebäudesteuerung. Szenen lassen sich abrufen, Kameraperspektiven für Schulungsstreams schalten. Die Anbindung ans Touchpanel ist als Nachrüstung geplant.

Qualität statt Ärger

Das Projekt «Roter Bernstein» wurde übergeordnet von der Gesamtwerk AG geleitet. Die gruppeninternen Unternehmen übernahmen auch die gesamte Programmierung und Realisierung. Dadurch konnten wertvolle Synergien genutzt und die Kompetenzen der einzelnen Fachbereiche optimal gebündelt werden. Beteiligt waren Frey+Cie Elektro AG, Weibel+Sommer Elektro AG, B+T Bild+Ton AG, Frey+Cie Sicherheitstechnik AG, Schaltraum AG sowie Lichtteam AG.

Andreas Brennwald betont in diesem Zusammenhang die Kehrseite der Flexibilität. «KNX lädt dazu ein, schlechte Anlagen zu bauen, wenn man es falsch angeht. Das ist nicht der Fehler von KNX.» Er vergleicht es mit einer Programmiersprache: Die Freiheit des Systems ist seine Stärke, aber auch sein Risiko. Ein Präsenzmelder beispielsweise klingt erst einmal nach einer einfachen Sache. In der Praxis sind es die Details, die den Unterschied ausmachen: ein vermeintlich günstiges Produkt, ein Gerät für den falschen Anwendungsfall, eine ungenaue Parametrierung oder ein ungünstiger Montageort: Schon geht das Licht aus, während noch jemand im Raum sitzt. Reagiert der Melder zu träge, verfehlt er seinen Zweck. Fachpersonen wissen: Zuverlässige Erkennung, saubere Parametrierung und der richtige Montageort entscheiden darüber, ob ein Gerät im Betrieb zuverlässig funktioniert oder beim Facility Management zum Dauerthema wird.

Ein Gerät, mehrere Aufgaben

Im «Roter Bernstein» kommt der thePrema P360 KNX von Theben zum Einsatz, ein hochwertiger KNX-Präsenzmelder für den Deckeneinbau. Er erfasst die Lernenden zuverlässig, auch bei ruhigen Tätigkeiten wie Messen oder Konfigurieren an den Arbeitsstationen. Die Melder sind im Halbautomatikbetrieb parametriert: Das Licht wird bewusst von Hand ein- und nach der Nachlaufzeit automatisch ausgeschaltet, wenn kein Melder in seiner jeweiligen Zone Präsenz erkennt. Die Melder sind dazu über KNX miteinander vernetzt. Über seine Präsenzinformation wirkt der thePrema P360 KNX auch auf die Beschattung: Ist der Raum besetzt, wird die automatische Beschattung blockiert. So entscheiden die Nutzenden selbst, ob und welchen Sonnenschutz sie möchten. Geplant ist zudem die Vernetzung mit der Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlage. Ein Gerät, mehrere Funktionen.

Mit Bedacht gewählte Kernlieferanten

Komponenten werden bei der Frey+Cie Gruppe nicht einfach gemäss Katalog bestellt, sondern im Vorfeld evaluiert, wo nötig getestet und erst dann in Projekten eingesetzt. Für Andreas Brennwald sind die Dienstleistung, der Knowhow-Transfer und die Kulanz eines Lieferanten wichtiger als der reine Preis. Theben HTS gehört zu seinen Kernlieferanten. Patrick Stucki, Verkauf Zentralschweiz bei Theben HTS, bestätigt: Die Rücklaufquote bei Theben-Produkten liegt unter 0,1 Prozent. Andreas Brennwald wird beim Thema Billigkomponenten noch deutlicher. «Anlagen, bei denen an den KNX-Komponenten gespart wurde, sorgen später oft für unnötigen Aufwand und Ärger.» Die Rechnung dahinter ist einfach: Wer bei einem Bauteil oder in einem Projekt am falschen Ort spart, zahlt in den Folgejahren das Mehrfache drauf. «Der Preisdruck ist auf diese Weise oft hausgemacht», sagt er. Und: «Der Kunde will das nicht.»

Zusammen für die Kunden

Für Andreas Brennwald ist der «Roter Bernstein» kein Selbstzweck. Er ist eine Investition in Menschen und in eine Branche, die aus seiner Sicht deutlich mehr Wertschätzung verdient. Im «Roter Bernstein» sind verschiedene Hersteller mit sogenannten PIMs vertreten. PIMs, eine Erfindung von Andreas Brennwald und seinem Ausbildungsteam, sind modulare, themenorientierte Ausstellungswände, an denen Lernende direkt an den Geräten arbeiten und die Funktionen kennen lernen können. Auch Theben ist mit einem eigenen PIM dabei. Junge Elektrikerinnen und Elektriker sollen verstehen, was sie bauen, und darauf stolz sein. «Wenn sie hinstehen und sagen können: Das habe ich gemacht, das habe ich installiert, und die Kunden haben auch Freude – das zählt am Schluss mehr als jede Preisdiskussion.»